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Die Nerven liegen blank
Panayotis Doumas

Während Ministerpräsident Antonis Samaras am vergangenen Wochenende in Berlin und Paris Klinken putzte um das verlorene Vertrauen der europäischen Partner wiederzugewinnen, sorgten in Athen linke Organisationen unter der Führung des linksradikalen Antarsya (Front der griechischen antikapitalistischen Linken) für Aufsehen.

Etwa eintausend Einwanderer demonstrierten im Athener Zentrum gegen „rassistische und polizeiliche Gewalt“. Zur Überraschung vieler Passanten waren jedoch keine griechischen Laute zu hören, sondern arabische. „Allahu Akbar“ hallte es über den Omonia-Platz. Ladenbesitzer schauten erschrocken aus ihren Fenstern. Vier junge Polen ergriffen die Flucht. Ihr Pech – sie hatten kurzgeschorene Haare. Markenzeichen der rechtsextremen ausländerfeindlichen Partei Chrysi Avgi.

Seit Wochen ist die Stimmung unter den zahlreichen illegalen Einwanderern gespannt. Die Regierung macht Ernst. Kaum ein Platz in Athen, der nicht Tag und Nacht überwacht wird. Angesichts der Krise und der damit einhergehenden steigenden Kriminalität, wurden bei Großrazzien 7.000 illegal im Land lebende Immigranten verhaftet, in Kasernen interniert und sollen demnächst in ihre Heimatländer Afghanistan, Pakistan, Somalia, Sudan oder Nigeria abgeschoben werden. Doch letzteres ist schwierig, da die meisten ihre Herkunft für sich behalten.

Wie aus dem Nichts greift parallel dazu plötzlich eine breitgefächerte Diskussion über Kosten des Aufenthalts der illegalen Einwanderer um sich. Demnach kostet die Krankenpflege um die halbe Milliarde Euro jährlich. Der illegale Handel von Schmuggelwaren beschert dem griechischen Staatssäckel einen Verlust von über sechs Milliarden.

Die Nerven liegen blank. Die Griechen sind entsetzt, wenn sie hören, daß ein mit gefälschten Papieren ausgestatteter Pakistani auf der Insel Paros, eine 15jährige verprügelte und vergewaltigte, nur weil sie sich weigerte, ihm ihr Mobiltelefon zu geben. Demgegenüber verweisen Ausländerorganisationen auf den bis dato ungeklärten Mord an einem 27jährigen Iraker Mitte August und zeigen sich kampfbereit. „Wenn sie einen Heiligen Krieg wollen, sie werden ihn bekommen“, erklärte der Vorsitzende der Pakistanischen Union in Athen auf einer Veranstaltung vor der Demonstration in Richtung Regierung und Chrysi Avgi. Die Versammelten jubelten und schrien: „Allahu Akbar!“